Zukunft Schule – KW im Gespräch: Schule als Gemeinschaftsaufgabe

Wie kann Schule in Zeiten wachsender Anforderungen ihren Kernauftrag erfüllen – und wo braucht es starke Partner außerhalb des Klassenzimmers? Unter dem Leitmotiv „Was kann / was soll Schule leisten – und was nicht?“ diskutierten wir im Rahmen unserer Reihe „Zukunft Schule – KW im Gespräch“ in Königs Wusterhausen mit Gästen aus Schule, Jugendarbeit, Sport und Zivilgesellschaft.

Auf dem Podium brachten Daniel Seifert (Förderschulkonrektor), Hartmut Schurig (pensionierter Lehrer, ehem. GEW-Vorsitz Berlin), Thommy Thiele (Geschäftsführer Stadtjugendring KW) und Norman Grätz (Geschäftsführer Kreissportbund Dahme-Spreewald) ihre Perspektiven ein. Schnell wurde deutlich: Schule ist nicht nur Lernort – sie ist täglicher Begegnungsort und ein zentraler Pfeiler unserer kommunalen Gemeinschaft.

1) Bildung ganzheitlich denken – Ressourcen bündeln, Synergien schaffen

Ein zentraler Punkt der Diskussion war die Frage, wie Bildungsangebote in der Kommune stärker vernetzt und ganzheitlich gedacht werden können. Mehrere Beiträge machten deutlich: Häufig existieren gute Angebote nebeneinander – Schule, Hort, Jugendarbeit, Sportverein, Jugendclub – aber zu selten miteinander verzahnt.

Als positives Zukunftsbild wurde eine Campus-Lösung diskutiert: Ein Ort, an dem Schule, Hort, Jugendclub und Sportverein räumlich und organisatorisch enger zusammenarbeiten. Damit würden Wege kürzer, Übergänge einfacher, und vor allem entstünde ein echter sozialer Raum, in dem Lernen, Freizeit, Bewegung und Gemeinschaft zusammenkommen. Gerade in Zeiten knapper Ressourcen liegt hierin ein großer Hebel: Ressourcen bündeln, Dopplungen vermeiden und Angebote so organisieren, dass sie sich gegenseitig verstärken.

2) Jugendbeteiligung stärken – Jugendbeirat in KW wiederbeleben

Ein zweiter Schwerpunkt war die Frage, wie junge Menschen in Königs Wusterhausen stärker an kommunalen Entscheidungen beteiligt werden können – nicht nur punktuell, sondern dauerhaft und strukturiert. In der Diskussion wurde deutlich: Demokratische Teilhabe lernt man nicht durch Appelle, sondern durch praktische Beteiligung.

Ein konkreter Punkt, der mehrfach betont wurde: Der Jugendbeirat in Königs Wusterhausen sollte schnellstmöglich wiederbelebt werden. Er kann ein wichtiges Bindeglied sein – zwischen Schulen, Jugend(verbands)arbeit, Vereinen und Stadtpolitik. Ein funktionierender Jugendbeirat schafft nicht nur Mitsprache, sondern auch Verantwortung, Selbstwirksamkeit und Vertrauen in demokratische Prozesse – gerade in Zeiten, in denen gesellschaftlicher Konsens brüchiger wird.

3) Entbürokratisieren und Schulen stärken – mehr Eigenverantwortung statt Überforderung

Sehr deutlich wurde auch: Viele Schulen arbeiten längst am Limit. Neben Unterricht und pädagogischer Arbeit binden Verwaltung, Dokumentation und Vorgaben einen erheblichen Teil der Ressourcen. Deshalb war ein wichtiges Fazit: Entbürokratisierung muss vorangetrieben werden.

Konkret wurden in der Diskussion mehrere Ansatzpunkte genannt:

  • mehr Eigenverantwortung an Schulen, statt immer neue Detailvorgaben
  • feste Schulbudgets, über die Schulen vor Ort flexibel verfügen können
  • Mitspracherecht bei der Einstellung von Lehrkräften, um passgenauer auf Bedarfe reagieren zu können

Die zentrale Botschaft dahinter: Wenn Schulen Verantwortung tragen sollen, müssen sie auch Handlungsspielräume bekommen. Mehr Autonomie ist kein Selbstzweck – sie kann die Voraussetzung sein, damit Schule ihren Bildungs- und Integrationsauftrag in der Praxis überhaupt erfüllen kann.

Schule und Zivilgesellschaft: Nicht „nice to have“, sondern Voraussetzung

Die Diskussion machte insgesamt deutlich: Kooperation zwischen Schule und außerschulischen Akteuren ist nicht nur ein Zusatzangebot, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Schule ihre Aufgaben in einer komplexer werdenden Gesellschaft erfüllen kann. Sportvereine, Jugend(verbands)arbeit, Initiativen und andere Träger leisten einen wichtigen Beitrag – für Gemeinschaft, Teilhabe, Integration und Prävention. Entscheidend ist, dass Kooperationen nicht vom Zufall abhängen, sondern verlässlich organisiert werden.

Wir danken allen Beteiligten und Gästen für die lebendige Diskussion und die vielen Impulse. Die Reihe „Zukunft Schule – KW im Gespräch“ wird fortgesetzt – mit dem Ziel, Bildungspolitik in Brandenburg konkret, praxisnah und vor Ort diskutierbar zu machen.

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